Textauszug Romanprojekt Friedhof 2048 — Kapitel 10 Kant
Nur Sinalcos Mikrophon ist freigeschaltet. Für alle teilnehmenden Personen im Raum deutlich hörbar spricht er zwei Worte:
„Nano Kant“.
Nanu Kant!? Hat er sein Genie aufblitzen lassen? In frühen Zeiten haben wir ihn bewundert. Dann ist der Faden abgerissen. Jetzt kehrt er den Historiker hervor, aus dem rasch für ihn aktivierten Teleprompter liest er zeitgeschichtliche Fakten ab, ohne dass wir ihm zuvorkommen:
„Erstens: Der Krieg in der Ukraine – um ihn zu beenden, hat das Netz Russland 48 Stunden lang ein Blackout verpasst. Sie erinnern sich, Putin musste Frieden schließen, keine Bomben-, Drohnen- Soldaten-Toten mehr seit diesem letzten konventionellen Krieg.“
„Zweitens: Palästina – Neutralisierung des jahrzehntelangen Konflikts durch die Blauhelm-Roboter, wie man sie damals genannt hat. Die Araber und die Juden haben sich nie vertragen, seit der massiven Netzintervention müssen sie es. Was war das für ein Gejammer über Freiheits- und Souveränitätsberaubung! Doch haben sich alle an das und an die aufgezwungene Ein-Staaten-Lösung gewöhnt. Seit wie lange gibt’s dort keinen einzigen Terror-Toten mehr?“
„Drittens: die Taiwan-Krise – wir sind damals am Abgrund einer globalen nuklearen Katastrophe gestanden, weil sich China Taiwan nach dem Nano-Durchbruch unter den Nagel reißen und die USA das verhindern wollten. Das war der historische Moment: Es ist offenbar geworden: Das Netz regiert die Welt.“